Sich selbstständig machen in Österreich: Ideen, Vorgehensweise und Tipps

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Der Traum nach einer selbstständigen Arbeit ruft. Dann sollte man dem Ruf doch folgen. So kann der Weg in die Selbstständigkeit gelingen.

Endlich keinen Wecker mehr stellen. Endlich seine eigenen Strategien und Entscheidungen treffen können. Endlich frei sein und selbstbestimmt arbeiten. Den Wunsch nach einer selbstständigen Arbeit hegen viele. Umgesetzt haben ihn in Österreich auch immer mehr – vor allem seit der Pandemie. Das belegen Daten der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ): Nach einem Einbruch bei Unternehmensneugründungen 2020 ist heuer ein Nachholeffekt festzustellen. Im ersten Halbjahr gab es 2021 um 23,6 Prozent mehr Neugründungen als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Gegenüber dem Vor-Corona-Jahr 2019 wurde um 15,1 Prozent mehr gegründet. Insgesamt gab es heuer im ersten Halbjahr 19.708 Neugründungen, die meisten in der Sparte Handel, gefolgt von Information und Consulting.

Der Ruf nach Freiheit – endlich selbstständig machen

Wann macht das selbstständig machen eigentlich Sinn? Ganz einfach: Zunächst muss man spüren, dass man selbstständig sein will. Sprich, dass man frei sein möchte und dass man sein eigener Chef sein will. Denn viele spielen immer wieder einmal mit der Idee einer Selbstständigkeit, letztlich bleibt es aber bei der Fantasie. Womöglich wollen sie dann doch nicht die gesamte Verantwortung über ein Business übernehmen und/oder auf den Aspekt der Sicherheit und Vorteile wie Urlaubsgeld verzichten. 

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Der erste Schritt zur Selbstständigkeit

Es gibt grob zwei Typen beziehungsweise Herangehensweisen. Die einen haben bereits eine Leidenschaft, ein Hobby, das sie zum Beruf machen wollen beziehungsweise üben sie bereits den Beruf als Angestellter aus und wollen ihn nun als Selbstständiger angehen. Das können beispielsweise IT-Techniker, Grafiker oder Versicherungsvertreter sein. Aber auch die leidenschaftliche Näherin, die endlich ihre eigene Mode auf den Markt bringen möchte. Sie folgen also ihrer Leidenschaft. Andere wiederum richten sich mehr danach, was der Markt braucht, womit sich gutes Geld machen lassen könnte und konzentrieren sich auf ein solides Business Model unabhängig davon, welche Produkte oder Dienstleistungen sie persönlich bevorzugen. Wichtig ist dennoch, dass man sich fragt: Worin bin ich wirklich gut? Was macht mir Spaß? Was macht wirtschaftlich Sinn? Und was braucht die Welt? 

Hilfreich dazu ist auch das japanische Ikigai-Modell. „Ikigai“ bedeutet in etwa: „wofür es sich zu leben lohnt“. Das Modell regt zur Selbstreflexion an und gibt uns Hinweise darauf, was unser Leben lebenswerter macht:

ikigai-Modell

Einen Businessplan erstellen

Weiß man nun, mit welchem Produkt oder welcher Dienstleistung man sich selbstständig machen will, ist der nächste Schritt, sich neben seiner Anstellung um sein Business zu kümmern. Betreffend der Zeiteinteilung sollte man seine Fixkosten weiterhin mit dem bewährten Job bezahlen können und die restliche freie Zeit, sein Business aufbauen. Später dann, wenn das selbstständige Business schon läuft, kann man ja die Stunden im Angestelltenjob schrittweise reduzieren. So minimiert man das finanzielle Risiko und bekommt zeitlich dennoch beides unter. 

Je nach Stand des eigenen Vorwissens sollte man sechs bis zwölf Monate für einen soliden Businessplan einrechnen. Kürzer, etwa drei Monate, fällt diese Zeit aus, wenn man bereits sehr in der Branche gefestigt ist. Ansonsten gilt es nun den Markt und die Branche zu analysieren. Wollen die Leute überhaupt kaufen, was ich anbiete? Oder gibt es sogar ausreichend Anbieter und die Konkurrenz ist extrem groß? Man analysiert Angebot und Nachfrage sowie Mitbewerb. Dazu kann man sich auch von der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) oder einem externen Profi, der sich in der Branche auskennt, beraten lassen. 

Des Weiteren ist es nun auch an der Zeit, sich um mögliche Förderungen zu kümmern. Vielleicht gibt es vom Staat finanzielle Unterstützung. Außerdem ist der Gang zu einem Steuerberater, der WKÖ und der SVS unumgänglich, damit man über mögliche Gewerbescheine, jährliche Beiträge sowie Rechte und Pflichten Bescheid weiß. 

Hat man das alles erledigt, ist es nun ein guter Zeitpunkt, sein Business sowie seine Strategie und sein Produkt nach Bedarf noch einmal anzupassen. 

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Zuerst Website, dann Produkt

Hat man nun einen gut durchdachten und ausgearbeiteten Plan, empfehle ich, sich damit testweise in die Welt hinauszuwagen – bevor man Unmengen an Produktionskosten oder Zeit investiert. So lernt man zunächst, wie das Produkt oder die Dienstleistung ankommen. 

Man kann dazu beispielsweise einen Prototypen seines Produktes auf einer Messe präsentieren und darauf achten, wie groß die Nachfrage ist und wie das Produkt ankommt. Oder man bietet seine Leistungen/Produkte auf einer Website an. Für den Anfang sollte man hier mit Kosten von 5.000 bis 10.000 Euro rechnen. Da sind die Kosten für den Programmierer, Grafiker, Fotografen und vor allem für die Werbung enthalten, die man benötigt, um im Internet gefunden zu werden. Auch hier lässt sich dann testen, wie hoch die Nachfrage zu meinem Angebot ist. Notfalls muss man hier wieder adaptieren. Da heißt es: flexibel sein. Sich von eigenen Vorstellungen und Erwartungen vielleicht verabschieden müssen und das Produkt so anzupassen, wie es der Markt beziehungsweise die Kunden gerne hätten. Kommt das eigene Angebot gut an, dann hat man einen Großteil bereits geschafft und man kann mächtig stolz auf sich sein. 

Generelle Tipps zum selbstständig machen:

  • Rechnen Sie sich wirklich im Detail alle Kosten aus.
  • Legen Sie sich finanzielle Reserven an – für Notfälle oder unerwartete Kosten.
  • Verhindern Sie Stress und machen Sie sich keinen zeitlichen Druck, sonst ist die Fehlerquote höher oder das Risiko zu scheitern wird falsch eingeschätzt.
  • Bedenken Sie: Es kann bis zu drei Jahre dauern, bis man von seiner Selbstständigkeit leben kann.
  • Geben Sie nicht zu früh auf. Es gibt keine Niederlagen, nur Gelegenheiten, um zu lernen und zu wachsen.

  • Sammeln Sie so viele Informationen zur Branche und zum Markt, wie Sie nur können. Lernen Sie Menschen aus der Branche kennen. Tauschen Sie sich aus und lernen Sie von Ihnen, um es besser zu machen. 

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