Ziehen sich Gegensätze an? - Jens Wolff

Ziehen sich Gegensätze an?

Hund und Katze die sich ansehen. Gegensatz oder normal?

Gegensätze ziehen sich an? Richtig oder Mythos?

Oder „Gleich und gleich gesellt sich gern“ – Was stimmt denn nun?

Der erste Eindruck den wir von einem Menschen bekommen hat ja bekanntlich großen Einfluss auf unser Urteil über diese Person. Dabei kann man sich fragen, ob ähnliche Eigenschaften wie Werte, Interessen oder Charakterzüge oder doch eher gegensätzliche Eigenschaften zu positiveren Eindrücken führen.

Jeder kennt die Volksweisheit „Gleich und gleich gesellt sich gern“. Demnach finden sich ähnliche Personen sympathischer. Jeder von uns hat aber auch schon einmal den Spruch „Gegensätze ziehen sich an“ gehört.

Wenn man selbst eher vorsichtig ist und sein Leben gerne plant, findet man risikofreudige oder spontane Persönlichkeiten möglicherweise anziehender.

Zählt Vertrautheit oder Abenteuer?

Um diese Frage zu beantworten, ist ein Blick in die Sozialpsychologie hilfreich, welche genau solche Themen wissenschaftlich durchleuchtet. Klingt etwas komisch, oder?

Ob man jemanden mag oder nicht, kann man doch nicht wissenschaftlich erforschen. Man kann aber voraussagen, ob sich zwei Menschen tendenziell anziehen oder nicht. In der Sozialpsychologie wurden eine Reihe systematischer Experimente durchgeführt, die Aussagen darüber erlauben.

Dabei konnten Forscher mit dem Konzept der Ähnlichkeit herausfinden, dass Menschen sich zu denjenigen hingezogen fühlen, die ähnliche Eigenschaften aufweisen.

Beispielsweise mochten sich Probanden eher, wenn sie ähnliche Ansichten über bestimmte Themen hatten (Byrne & Nelson, 1965).

In einer anderen Studie fand man heraus, dass Männer sich eher mit Menschen anfreundeten, die ähnliche demographische Daten aufwiesen oder ähnliche Werte und Einstellungen hatten (Theodore Newcomb, 1961).

Wahrnehmung wichtiger als Realität

Dabei ist subjektive Wahrnehmung von Ähnlichkeit wichtiger als die reale Ähnlichkeit (Morry, 2007). Es kommt also weniger drauf an, wie ähnlich sich man tatsächlich ist, sondern mehr darauf wie ähnlich man sich zu dem Anderen fühlt und somit auch Vertrautheit empfindet.

Je nach Art der Beziehung gilt etwas anderes

Anders sieht die Sache aus, wenn man nicht an einer langfristigen Beziehung interessiert ist. Sucht man eher ein Abenteuer, zählt eher„Gegensätze ziehen sich an“. (Amodio & Showers, 2005).

Fazit: Auch wenn man jemanden spannend findet, der alltägliche Probleme anders löst als man selbst, findet man langfristig dann doch die Personen anziehender und sympathischer, denen man sich ähnlicher fühlt.

Das stimmt auch mit den Erfahrungen beim Life-Coaching überein, wo Beziehungen dann schwierig werden, wenn die Ansichten darüber, wie man das Leben gemeinsam (er)leben will, zu weit auseinander driften.

 

Amodio, D. M., & Showers, C. J. (2005). ‘Similarity breeds liking’revisited: The moderating role of commitment. Journal of Social and Personal Relationships, 22(6), 817-836.

Aronson, E., Wilson, T.D. & Akert, R. (2014). Sozialpsychologie (8. aktualisierte Auflage). München: Pearson Studium, S. 354-356.

Byrne, D., & Nelson, D. (1965). Attraction as a linear function of proportion of positive reinforcements. Journal of personality and social psychology, 1(6), 659.

Morry, M. M. (2007). The attraction-similarity hypothesis among cross-sex friends: Relationship satisfaction, perceived similarities, and self-serving perceptions. Journal of Social and Personal Relationships, 24(1), 117-138.

Newcomb, T., M., (1961).  The acquaintance process. New York: Holt, Rinehart, & Winston.